Nachruf

Blog Ver Sacrum

31. August 2026

Nachruf

Der Große Baumeister aller Welten hat unserem geliebten und hochgeschätzten Bruder Prof. Hans-Hermann Höhmann die irdischen Werkzeuge aus der Hand genommen und ihn in den Ewigen Osten abberufen. Er ist am 23. Juni 2026 im hohen Alter von 92 Jahren verstorben. Mit seinem Tod verliert unsere Loge Ver Sacrum nicht nur einen langjährigen Bruder, sondern eine Persönlichkeit, die unsere Bauhütte und die deutschsprachige Freimaurerei über Jahrzehnte hinweg geprägt hat wie kaum ein anderer.

Seinen freimaurerischen Weg begann Hans-Hermann Höhmann am 29. Oktober 1958 in der Berliner Loge Urania, wo er zum Lehrling aufgenommen wurde. Bereits am 15. April 1959 wurde er zum Gesellen befördert und am 13. Januar 1960 zum Meister erhoben. Nach seinem beruflich bedingten Umzug wurde er am 18. Juni 1963 in unserer guten Loge Ver Sacrum aufgenommen. Der damalige Meister vom Stuhl der Loge Urania, Bruder Viktor Kipke, schrieb damals an unseren Meister vom Stuhl Ottomar Weiss:
„Obwohl Br. Höhmann nur verhältnismäßig kurze Zeit in Berlin weilte, haben wir ihn alle als Bruder und Freund schätzen und lieben gelernt. In seiner offenen und frischen Art war er ein aktives, belebendes Element in unserer Bauhütte. Sowohl in seinen wertvollen Vorträgen als auch in scharfsinnig geführten brüderlichen Diskussionen bewies Br. Höhmann seine Qualitäten. Wenn wir auch sein Fernsein schmerzlich empfinden, so freuen wir uns wiederum, dass Br. Höhmann sich im Bruderkreis Ihrer ehrwürdigen Bauhütte wohlfühlt und Anschluss gefunden hat.“

Diese Worte erwiesen sich als prophetisch. Fast 68 Jahre gehörte Hans-Hermann Höhmann unserem Bruderbund an. In dieser Zeit übernahm er zahlreiche verantwortungsvolle Ämter. Er war Großlogenbeauftragter für den Aufbau der Freimaurerei in den neuen Bundesländern und wirkte tatkräftig an der Lichteinbringung der Loge Zur beständigen Freiheit in Quedlinburg am 6. Oktober 1991 mit. Er war Redner der Großloge, Vorsitzender der Forschungsloge Quatuor Coronati und vor allem zweimal Meister vom Stuhl unserer Loge Ver Sacrum – von 1969 bis 1972 sowie von 1995 bis 1998.

Seine Vorträge verbanden historische Tiefe, philosophische Klarheit und sprachliche Eleganz. Er verstand es, Menschen zum Nachdenken anzuregen, ohne sie zu belehren, und zum Dialog einzuladen ohne den Anspruch zu erheben, im Besitz der letzten Wahrheit zu sein. Sein Name ist untrennbar mit der Entwicklung einer aufgeklärten, humanitären und humanistischen Freimaurerei verbunden. Er verstand den Bruderbund niemals als Rückzug in unreflektierte Tradition, sondern als lebendige geistige Arbeit: fragend, forschend, verantwortungsbewusst und dem Menschen zugewandt.

Hans-Hermann Höhmann war kein Revolutionär. Er war ein Evolutionär des freimaurerischen Denkens. Er hinterfragte Vorgegebenes kritisch, suchte beharrlich nach Wahrheit jenseits von Gewohnheit und Illusion und war überzeugt, dass Zukunft immer der Herkunft bedarf. Nur wer weiß, woher er kommt, kann an das Bestehende anknüpfen, Neues schaffen und Überholtes überwinden. Er wusste zugleich um die Grenzen menschlicher Erkenntnis. Daraus erwuchsen seine Toleranz, seine Gelassenheit und sein feiner Humor. Er war überzeugt, dass niemand besser sein könne, als es seine Lebensgeschichte und Sozialisation zulassen. Diese Einsicht machte ihn zu einem verständnisvollen Gesprächspartner und zu einem Bruder, der die Menschen ernst nahm. Seine große Stärke war die Verbindung von Freiheit, Vernunft und Kommunikation. Er konnte Menschen begeistern, gemeinsam nach Erkenntnis zu suchen und daran mitzuwirken, unsere Welt ein wenig besser zu machen. Seine Vision einer besseren Zukunft war stets verbunden mit der Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Viele Brüder – weit über unsere Loge hinaus – haben durch ihn entscheidende Anregungen erhalten. Er hat nicht nur Gedanken vermittelt, sondern Menschen geprägt. Sein geistiges Erbe lebt in seinen zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen fort, vor allem aber in den Brüdern, die seine Gedanken aufnehmen, weiterentwickeln und in ihrem eigenen Leben verwirklichen.

Wir wissen nicht, was geschieht, wenn ein Mensch stirbt. Wir wissen nur: Er hat uns verlassen. Seine Werke bleiben. Doch Bücher allein können den Menschen nicht ersetzen. Sie erinnern uns an eine lebendige Stimme, an kluge Gespräche, an aufmunternde Gesten und an die einzigartige Art, mit der Hans-Hermann Höhmann Menschen begegnete. Johann Wolfgang von Goethe schrieb: „Denn der Boden zeugt sie wieder.“ Hans-Hermann Höhmann hat reichlich gesät. Seine Gedanken werden weiter Früchte tragen.

Er hat uns nicht nur gelehrt – er hat uns vorgelebt, was freimaurerische Arbeit bedeutet. Hans-Hermann Höhmann hat uns aufgetragen, selbst Verantwortung zu übernehmen, an unserer eigenen Vervollkommnung zu arbeiten und dort, wohin uns das Leben gestellt hat, den Menschen nützlich zu sein.

Mit dem Tod eines geliebten Menschen verliert man vieles – niemals aber die gemeinsam verbrachte Zeit. Und es bleiben schöne Erinnerungen zurück! „Was hinkt geht“ hat er bis zum Schluss gesagt. Er konnte halt auch über sich selber lachen. Unser Herz ist schwer. Wir alle trauern. Doch die Gedanken, die Weisheiten und die Menschlichkeit, die Hans-Hermann Höhmann uns geschenkt hat, die bleiben. Seine Freude am Leben, seine Toleranz, seine Milde und seine Gelassenheit bleiben uns Vorbild.

Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit vor seinem Leben, aber er ist nicht weg. Er ist und bleibt fest mit uns verbunden. Lieber Bruder Hans-Hermann, wir danken Dir für Deinen Rat, Deine Freundschaft, Deinen Geist und Dein Vorbild. Wir sind dankbar für das, was Du uns allen an Wärme und Wissen und Weisheit geschenkt hast. Möge der Große Baumeister aller Welten Dich in den Ewigen Osten aufnehmen.

Norbert Mülleneisen.

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