Selbstverständnis der Loge

Selbstverständnis der Loge

Selbstverständnis der Loge Ver Sacrum

 

Die Loge „Ver Sacrum“ hat seit ihrer Gründung versucht, den mit ihrem Namen formulierten Auftrag zu erfüllen. Die innere Arbeit der Loge wurde und wird geprägt durch eine intensive intellektuelle Arbeit sowie durch eine kreative Pflege des freimaurerischen Rituals. Das von Rudolf Jardon bereits vor Gründung der damaligen „Vereinigten Großloge von Deutschland“, die im Jahre 1949 stattfand, auf der Grundlage bestehender Rituale (vornehmlich des Rituals der ehemaligen Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth) erarbeitete Ritual des Lehrlings-, Gesellen- und Meistergrades vermittelt auf überzeugende Weise, was ein freimaurerischen Ritual zu leisten vermag:

 

  • Ruhe und Nachdenklichkeit zu fördern,
  • ethische Erziehung durch Symbole und rituelle Handlungen zu bewirken,
  • Erfahrung von menschlicher Entwicklung durch gemeinsamen Mitvollzug der Initiation neuer Brüder und anderer „Übergangsriten“ (Beförderungen in den Gesellen- und Erhebungen in den Meistergrad) zu vermitteln,
  • Erleben von kreativer Öffnung aller Sinne durch die rituelle Multimedialität zu ermöglichen sowie
  • Impulse zur Auseinandersetzung mit menschlichen Grenzerfahrungen zu geben.

 

Logenphilosophie

Zu den Grundlagen der Loge „Ver Sacrum“ gehört auch die im Hausgesetz festgelegte Beschränkung der Mitgliedschaft auf die alten symbolischen Grade Lehrling, Geselle und Meis-ter. Die Konzentration auf die freimaurerischen Grundgrade ist Ausdruck der Überzeugung, dass die im Lehrlings-, Gesellen- und Meistergrad thematisierten und symbolisch-dramatisch ausgestalteten Grundbefindlichkeiten des Menschen vom Leben bis zum Tode den symbolischen Reichtum des Freimaurerbundes bestimmen, dass die für alle Brüder gleiche Initiationsgrundlage vom Lehrling über den Gesellen zum Meister die Homogenität der Logengruppe bewahrt, und schließlich, dass das auf den drei Basis-Graden beruhende Logensystem jederzeit als Modell für eine Ordnung gelten kann, die gemäß demokratischer und pluralistischer Maßstäbe „in der profanen Welt“, d.h. im Leben der Gesellschaft, reproduziert werden könnte.

Das rituelle Profil der Loge korrespondiert mit der von den Mitgliedern – oft in Anwesenheit von Gästen – vorgenommen thematischen Öffnung der Gespräche für Fragen zum Zeitgeschehen und seinen materiellen, ideellen und gesellschaftlichen Grundlagen. So gab es bereits in den sechziger Jahren eine Vortragsreihe „Humanität und Unmenschlichkeit in Deutschland“, im Rahmen derer Fragen wie „Gastarbeiter oder Fremdarbeiter? – Zur Integration von Ausländern in Deutschland“, „Umweltschutz als politische Aufgabe“ und „Notstand im deutschen Gesundheitswesen“ behandelt wurden. Politiker wie Landtagspräsident Wilhelm Lenz, Bundesinnenminister Gerhard Baum, Staatssekretärin Katharina Focke, Bundesjustizminister Wolfgang Stammberger sowie der hessische Justizminister Johannes Strelitz (die beiden letzteren Freimaurer) sprachen über Grundfragen einer demokratischen politischen Ordnung. In einer Vortragsreihe „Freimaurerei von außen gesehen“ sollte – so hieß es in der Ankündigung – „von der üblichen freimaurerischen Selbstbestätigung abgegangen und kritischen Beobachtern außerhalb unseres Bundes (Vertretern von Wissenschaft, Presse, kulturellem Leben, Kirchen usw.) das Wort gegeben werden.“ Wie in Köln als historisch katholisch geprägter, allerdings auch bürgerlich-liberaler Stadt kaum anders vorstellbar, wurde in Vorträgen und Diskussionen wiederholt das Verhältnis zwischen Katholischer Kirche und Freimaurerei aufgegriffen. Prominente katholische Referenten, die wir bald unsere Freunde nennen durften, waren die Professoren Dr. Herbert Vorgrimler und Dr. Karl Hoheisel sowie Pater Dr. Alois Kehl, unser Wegbegleiter und Freund durch viele Jahrzehnte hindurch.

Mit der Öffnung zur Zeit verbindet sich auch die Öffnung zur Kultur: Im Bankettsaal des Logenhauses finden Konzerte junger Künstler statt, es werden Ausstellungen mit freimaurerischer Kunst durchgeführt und gemeinsame Theater- und Museumsbesuche durchgeführt.

 

Partnerschaften

Viele gute Erfahrungen hat die Loge „Ver Sacrum“ mit ihren zahlreichen Kontakten zu anderen Logen gemacht, die den Charakter der Freimaurerei als überregionalen, ja internationalen Freundschaftsbund bestätigen. Höhepunkte waren Auslandsbesuche in England, Luxemburg und den Niederlanden, oder Besuche von Brüdern aus dem Ausland bei uns, etwa die Köln-Reise von Großmeister und Brüdern der Großloge von Maine aus den USA. Zu Beginn der 1970er Jahre gab es einen Partnerschaftsvertrag mit der Loge „Zur Freundschaft“ in Kassel und der Loge „Zur Treue“ in Berlin, um den Zusammenhalt der Freimaurer in den Vereinigten Großlogen von Deutschland weiter zu festigen. Heute werden Gemeinschaftsveranstaltungen mit zahlreichen Logen durchgeführt, mal in Köln, mal am Partnerort, und die gemeinsame Jahresbeginnfeier Kölner Logen unter Einschluss der Freimaurerinnen der Frauenloge „Sci Viam“ gehört inzwischen zu den markanten Festlichkeiten des Logenjahres.

 

Unterstützung

Auch den karitativen Verpflichtungen der Freimaurerei hat sich die Loge „Ver Sacrum“ gestellt, und zwar mit der aus brüderlicher und schwesterlicher Spendenbereitschaft hervorgegangenen „Habicht-Schultheis-Stiftung“. Diese gemeinnützige Stiftung hat sowohl Brüdern in materieller Bedrängnis geholfen als auch mannigfaltige Unterstützung geleistet, wenn es galt, außerhalb der Loge Not zu lindern, Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu helfen und Nachwuchskünstler zu fördern.

Insgesamt versuchte die Bruderschaft der Loge „Ver Sacrum“ der unverzichtbaren Einheit der drei Säulen des freimaurerischen Tempels: Weisheit, Stärke und Schönheit gerecht zu werden:

 

  • Weisheit als wertbezogener Vernunft, intellektueller Klarheit und Redlichkeit der geistigen Vermittlung;
  • Stärke als Tatkraft, als das konstruktive Vermögen, Ideen auch umzusetzen und
  • Schönheit als Gestaltungsprinzip, das ausgehend vom Ästhetischen, von der apollinische Dimension, hinüber reicht in Lebenskunst und Lebenskultur, worin sich ja Freimaurerei – wenn sie gelingt – als „Königliche Kunst“ vollendet.

Freimaurerei als Gemeinschaft brüderlich verbundener Menschen,

Freimaurerei als Orientierung auf ethische Werte und Überzeugungen,

Freimaurerei als symbolischer Werkbund:

 

Dies zusammen bildet Reichtum und Wesen der freimaurerischen Überlieferung und umschreibt auch das Fundament der Loge „Ver Sacrum“. Freimaurerei in diesem Sinne lebendig zu halten und hineinwirken zu lassen in die Gegenwart – engagiert und redlich, ohne Kleinmut, aber auch ohne Überheblichkeit – ist der Auftrag einer Loge, die sich die Geschichte eines Frühlings zum Gründungsmythos gewählt hat, den die Legende als „heiligen Frühling“, als „Ver Sacrum“ überliefert hat.

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