Freimaurerische Identität in der Gesellschaft von heute

Blog Ver Sacrum

4. November 2015

Hans-Hermann Höhmann[1]

Freimaurerische Identität in der Gesellschaft von heute

 

Die deutsche Freimaurerei öffnet sich zur Gesellschaft: In öffentlichen Vorträgen, kulturellen Veranstaltungen, Presseerklärungen, Interviews und Internetseiten bemühen sich die Repräsentanten des Bundes darum, das Bild der Freimaurerei im öffentlichen Bewusstsein klarer zu zeichnen, anhaltenden Vorurteilen entgegen zu wirken und sich insbesondere der Flut neuer Verschwörungstheorien zu erwehren, für die Medien und Publikum der „Eventgesellschaft“ so empfänglich sind. Doch je mehr sich die deutsche Freimaurerei zur Gesellschaft öffnet, desto mehr wird sie auf ihr Selbstverständnis hin befragt. Legimitätsbegründungen durch Berufung auf die Geschichte der Freimaurerei können nicht mehr genügen, insbesondere seit die historische Forschung die liebgewonnenen, eindeutigen Deutungsmuster der freimaurerischen Vergangenheit in Frage gestellt hat. Auch die Berufung auf „bedeutende Freimaurer“ reicht nicht aus. Die Frage, was Freimaurerei im Selbstverständnis ihrer Mitglieder ist und was sie nicht ist, muss auf eine klarere Weise beantwortet werden.

 

Wie also versteht sich der Freimaurerbund in der Gesellschaft von heute?

 

Eine präzise Antwort auf diese Frage ist schwierig. Gewiss herrscht Übereinstimmung in bezug auf einige historische Entwicklungslinien und Grundelemente, doch die Formen und Farben dieses Freimaurerbildes variieren ebenso wie seine Einordnung in gesellschaftliche und historische Bezüge. Auch Begrifflichkeit und Sprache der gesellschaftlichen Vermittlung von Freimaurerei sind nicht eindeutig. Dies ist einmal darauf zurückzuführen, dass Großgruppen generell nie nur ein Selbstverständnis aufweisen und griffig-eindeutige Formulierungen für Corporate Identities immer subjektive Konstruktionen sind. Dazu kommen der unterschiedliche historische Hintergrund der einzelnen deutschen Logen- und Großlogen, die hierdurch bedingten tendenziell voneinander abweichenden „Lehrartverständnisse“ sowie der Umstand, dass auch die deutsche Freimaurerei der Gegenwart keine „Grundsatzkommissionen“ kennt und die einzelnen Freimaurer zudem in der Regel strikt auf einer ganz individuellen Deutungshoheit bezüglich dessen beharren, was unter Freimaurerei zu verstehen ist.

 

Dennoch gibt es Übereinstimmungen, die in Satzungen, Stellungnahmen der Großlogenleitungen, Positionspapieren, Logen- und Großlogendiskussionen und neuerdings den freimaurerischen Internetseiten ihren Ausdruck finden. Diese Übereinstimmungen haben klärende Funktionen nach innen, sollen jedoch auch einer die eigene freimaurerische Identität vermittelnden Öffentlichkeitsarbeit dienen.

 

Was Freimaurerei ist und was sie nicht ist

 

Der weitgehende Konsens innerhalb der deutschen Bruderschaft lässt sich thesenhaft zu drei positiven Feststellungen („Freimaurerei ist“) und drei abgrenzenden Positionen („Freimaurerei ist nicht“) verdichten. Zunächst die positiven Setzungen:

 

Freimaurerei versteht sich als Freundschaftsbund:

 

Über alle weltanschaulichen, politischen, nationalen und sozialen Grenzen hinweg wollen die Logen Menschen miteinander verbinden, die sich nach Herkunft und Interessenlage sonst nicht begegnen würden. Die Freimaurerlogen folgen damit ihrer alten Tradition, Trennendes überwinden, Gegensätze abbauen, Verständigung, Verständnis und Freundschaft fördern sowie der Gefahr einer Isolierung der einzelnen Menschen in der modernen Arbeits- und Freizeitwelt entgegenwirken zu wollen. Durch Offenheit für den Mitmenschen und seine Probleme will der Freimaurerbund nicht nur der Lebensgestaltung seiner Mitglieder dienen, sondern auch ein Modell für Partnerschaft in der Gesellschaft außerhalb der Logen bieten. Dass Freimaurerei bis heute meist als Männerbund verstanden und praktiziert wird – wenn es auch eine zunehmende Zahl von Logen freimaurerisch arbeitender Frauen gibt –, ist auf die männerbündische Tradition der Freimaurerei zurückzuführen, soll die Homogenität der Logengruppe festigen und soll keinerlei Diskriminierung gegenüber Frauen bedeuten. Deshalb ist Freimaurerei heute auch bewusst ein „offener“ Män­nerbund, der Partnerin und Familie weitgehend in das Gemeinschaftsleben der Logen einbezieht.

Freimaurerei versteht sich als ethisch orientierter Bund:

 

Traditionen der europäischen Aufklärung folgend, bekennen sich die Freimaurer zu ethischen Werten und Überzeugungen. Der Freimaurerbund entwickelt zwar kein eigenes ethisches System und versucht schon gar nicht, ethische Überzeugungen in politische Programme zu übertragen. Dennoch gibt die Freimaurerei mit ihren Wertpositionen Humanität, Brüderlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit, Friedensliebe  und Toleranz Orientierungen und Maßstäbe für das Denken und Handeln ihrer Mitglieder vor. Im Vergleichen von Realität und Wertmaßstab, im gemeinsamen Nachdenken und in kritischer Selbstaufklärung sollen Verhaltensweisen und Umgangsstile eingeübt werden, die ein Umsetzen ethischer Überzeugungen in die moralische Lebenspraxis des einzelnen Freimaurers bewirken. Nichts geht über das „laut denken“ mit einem Freunde – auf diese Formel hat der Freimaurer Lessing eine der Grundüberzeugungen der Freimaurerei gebracht.

 

Freimaurerei versteht sich als Initiationsgemeinschaft und symbolischer Werkbund:

 

Zur Festigung der zwischenmenschlichen Bindungen, zur gefühlsmäßigen Vertiefung ethischer Überzeugungen und als Anleitung zur Selbsterkenntnis bedienen sich die Logen ihrer historischen Überlieferung folgend alter, im wesentlichen auf die Tradition der europäischen Dombauhütten zurückgeführter Symbole und symbolhafter Handlungen (Rituale). Die Alltagswelt bedarf ihrer Meinung nach eines Gegengewichts in Form eines geschützten Raumes für Sinnfindung, Nachdenklichkeit und sinnliche Erfahrung. Freimaurer verschließen sich nicht den modernen Lebens- und Arbeitsformen, zu deren Vermenschlichung sie beitragen wollen. Sie sehen aber in der tätigen Daseinsgestaltung nur eine Seite menschlicher Existenz, die der emotionalen Ergänzung bedarf. Im freimaurerischen Brauchtum wird diese Ergänzung vermittelt.

 

Die Zugänge des einzelnen Freimaurers zu Symbolen und Ritualen können durchaus unterschiedlich sein: Diesen mag vor allem die komtemplative Seite des Brauchtums ansprechen, das Ruhe-Finden, das Zu-sich-Kommen. Jener mag in erster Linie vom esoterischen Gehalt des Brauchtums angezogen werden, vom behutsamen Ansprechen der Beziehungen Mensch-Welt, Mensch-Kosmos, Immanenz-Transzendenz. Ein anderer wiederum schätzt vor allem die ethisch-erzieherische Qualität des Rituals: tauglicher zu werden als moralischer Baustein in seiner ganz konkreten Lebenswelt. Daraus folgt, dass auch im Umgang mit Symbolen und Brauchtum „Offenheit“ eine zentrale Kategorie der Freimaurerei ist.

 

Die genannten drei konstitutiven Grundelemente der Freimaurerei erfassen gleichermaßen die soziale, intellektuelle, moralische und emotionale Seite des Menschen. Sie können allerdings nur dann nach innen wie nach außen wirksam werden, wenn zwischen ihnen ein ausreichendes Maß an Gleichgewicht und Gleichklang herrscht, d.h. wenn kein Element überbetont oder vernachlässigt wird. Wo das Gewicht zu sehr auf bloße soziale Kommunikation, auf „Gesellschaftsleben“ gelegt wird, droht Abgleiten in Vereinsmeierei und „Event-Geselligkeit“. Wo die Diskussion um Prinzipien oder gar die Suche nach Programmen im Vordergrund steht, wird aus der Loge ein menschlich steriler und bald zerstrittener Debattierklub. Wo der Akzent überwiegend auf das Ritual gesetzt wird, besteht die Gefahr, sich in eine esoterische Sekte zu verwandeln.

 

Selbstverständnis und Identität freimaurerischer Gruppen setzen sich jedoch nicht nur aus den genannten inhaltlichen Komponenten und ihren Mischungsverhältnissen zusammen. Wichtig ist auch die Art und Weise, wie Inhalte in der Gruppenpraxis umgesetzt werden. Hier sind menschliche Atmosphäre, intellektuelle und emotionale Lebendigkeit, Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit, Diskursqualität und Ausstrahlung wichtige Stichworte. In der freimaurerischen Diskussion wird im allgemeinen die Notwendigkeit betont, an der Profilierung der konzeptionellen Inhalte der Freimaurerei, an ihren Wertvorstellungen, ihren Zielen zu arbeiten. So sehr hier tatsächlich Klarheit erforderlich ist, so sehr wäre es andererseits doch kontraproduktiv, bei der Formulierung inhaltlicher Festlegungen zu weit zu gehen oder gar in eine Ideologisierung hineinzugeraten. Dies würde intellektuell aufgeschlossene Männer nur abstoßen. Diese kommen ja gerade deshalb zur Freimaurerei, weil diese bei aller Wertgebundenheit geistig offen sein will. Freimaurerei ist auch heute, was sie im Grunde genommen immer gewesen ist: formgebundener und wertorientierter Freiraum, und wer als geistesfreier Mann Kontakt zur Freimaurerei sucht, ist wohl eher an toleranten Such- und Orientierungsprozessen als an verbindlich vorgegebenen Positionen interessiert.

 

 

Was Freimaurerei nicht ist

 

Die gleichzeitig vorgenommenen Abgrenzungen („Freimaurerei ist nicht“) kreisen schwerpunktmäßig um folgende Feststellungen:

Freimaurerei versteht sich weder als Partei noch als Interessenverband:

 

Logen und Großlogen formulieren keine politischen Programme, nehmen nicht teil an parteipolitischen Auseinandersetzungen und vertreten nicht die Interessen bestimmter gesellschaftlich organisierter Gruppen. Dennoch beabsichtigt die Freimaurerei eine politische Wirkung: Als „Gemeinschaft toleranter Ungleichgesinnter“ will sie einen Beitrag zur Überwindung der schädlichen Auswirkungen politischer Konflikte zwischen Menschen, politischen Gruppen und Nationen leisten, gemäß ihres Bekenntnisses zur Toleranz zielt sie darauf ab, die politische Kultur im Sinne der Etablierung einer produktiven „Streitkultur“ zu verbessern, und durch das Erörtern wichtiger Zeitfragen in den Logen will sie zur politischen Urteilsbildung ihrer Mitglieder beitragen. Auf der Grundlage persönlicher Überzeugung verantwortlich zu handeln ist dann Aufgabe des einzelnen Freimaurers.

Freimaurerei versteht sich weder als Nebenkirche noch als Ersatzreligion:

 

Als diesseitsorientierte Freundschaftsbünde mit ethischer Zielsetzung sind Logen und Großlogen keine Religionsgemeinschaften und bieten folglich auch keine Ersatzreligionen an. Die Freimaurerei entwickelt keine Theologie und kennt keine Dogmen und Sakramente. Allerdings verwenden die Freimaurer Symbole, die dem religiösen Bereich entlehnt sind, wie z.B. das Symbol des „Großen Baumeisters aller Welten“. Dieses Symbol verkörpert jedoch keinen eigenen freimaurerischen Gottesbegriff, zumal es einen solchen auch gar nicht gibt. Das Symbol des „Großen Baumeisters“ ist vielmehr ein umfassendes Symbol für Lebenssinn und transzendenten Bezug des Menschen, das von jedem Freimaurer gemäß seiner eigenen religiös-weltanschaulichen Überzeugung gedeutet werden kann.

 

Aber sind die freimaurerischen Rituale trotz aller Abgrenzung der Freimaurerei gegenüber der Religion in ihrem Kern nicht doch religiös?

 

In einer weiteren, funktionalistischen Perspektive kann diese Frage bejaht werden. Der Soziologe Thomas Luckmann hat im Rahmen seiner Religionssoziologie Aufgabe und Wirkungsweise der Religion als „Einübung und Einzwängung in ein das Einzeldasein transzendierendes Sinngefüge“ bezeichnet. In diesem Sinne haben die Rituale der Freimaurer als Bestandteil der Sozialisierung und „Personwerdung“ des Menschen durchaus einen religiösen Charakter, ohne dass deshalb die Freimaurerei insgesamt zu einer religiösen Vereinigung würde. Noch einmal: Freimaurerei ist kein Heilsweg, sondern ein Weg zur Bewährung im hier und jetzt. Ein Weg – es gibt viele andere. Die Gleichzeitigkeit des Respekts vor Religion und des Verzichts auf Nachahmung von Religion und/oder Einmischung in Religion kann die Freimaurerloge zu einer Gemeinschaft machen, in der sich gläubige Menschen ganz verschiedener Religionen mit religiös skeptischen Menschen auf der Grundlage verpflichtender Werte freundschaftlich miteinander verbinden. Hierin sehen Freimaurer eine integrierende Kraft, die – wenn auch gewiss nur in bescheidenem Maße – dazu beitragen kann, die moderne (oder postmoderne) Gesellschaft mit all ihren Auflösungs- und Spaltungstendenzen auf der Basis einer gemeinsamen Wertbasis zusammenzuhalten.

 

Freimaurerei versteht sich nicht als Geheimbund oder gar Verschwörung:

 

Der Freimaurerbund und seine Mitglieder bekennen sich zu Demokratie und offener Gesellschaft, zu deren Verwirklichung viele Freimaurer wesentlich beigetragen haben. Zweck, Organisation und Vorstände von Logen und Großlogen sind jedem Interessenten zugänglich. Viele Veranstaltungen der Freimaurer sind heute öffentlich, und viele der im Auftrag der Großlogen herausgegebenen Publikationen können auch von Nichtmitgliedern des Bundes bezogen werden. Die von den Freimaurern geübte Verschwiegenheit bezieht sich nur auf einige Einzelheiten des freimaurerischen Brauchtums und steht als Symbol für den in jeder Gemeinschaft notwendigen Schutz von Freundschaft und persönlichem Vertrauen. Mit irgendeiner Art von Verschwörung hat Freimaurerei nichts zu tun.

 

In moderner Gesellschaft: Grenzen und Chancen der Freimaurerei

 

Die Entwicklung der Freimaurer war immer mit der Entwicklung der Gesellschaft verbunden, in die sie eingebettet ist.. Dies gilt auch für die Gegenwart mit all ihren politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozessen. Einerlei, welchem der gegenwärtig diskutierten Gesellschaftsmodelle der Vorzug eingeräumt wird, und unabhängig davon, ob sie als Ausdruck der Moderne, einer „anderen Moderne“ (Wilhelm Schmid) oder der „Postmoderne“ gedeutet werden, unverkennbar ist, dass – (so der englische Soziologe Anthony Giddens) – , die neuen Lebensformen den Menschen in beispielloser Weise von allen traditionellen Typen der sozialen Ordnung fortgerissen haben und sich die mit der Moderne einhergehenden Umgestaltungen auf ihn viel tiefer ausgewirkt haben als die meisten der für frühere Perioden charakteristischen Arten des Wandels. Abnehmende Bindungswilligkeit ist eine Konsequenz davon. Ob hieraus auf einen generellen Rückgang sozialer Bindungsfähigkeit geschlossen werden kann oder ob sich lediglich die Formen und Zeitspannen sozialer Einbindung verändern, ist beim gegenwärtigen Stand der sich mit solchen Fragen beschäftigenden Sozialkapitalforschung noch nicht entscheidbar. Jedenfalls scheint evident, dass die formellen Mitgliederzahlen nicht nur für Parteien, Gewerkschaften und Sportvereine rückläufig sind, sondern auch für die Kirchen und andere (traditionelle) religiöse Vereinigungen sowie für die ethisch orientierten Bünde. Auch in der deutschen Freimaurerei sind die Mitgliederzahlen in den letzten Jahrzehnten eher zurückgegangen, und auch international sind (mit der möglichen Ausnahme Frankreich) Rückgangstendenzen festzustellen, teilweise in beträchtlichem Ausmaß.

 

Doch wie immer der generelle Trend beschaffen ist bzw. gedeutet wird: Er ist nicht ohne Gegentendenzen. Es wird Bindung angestrebt, Wertorientierungen haben Konjunktur, Nachdenklichkeit wird gesucht, philosophische Praxen und Seminare erfreuen sich steigender Nachfrage. Gleichzeitig wird angesichts des durch Tempo und Beschleunigung von Ereignissen und Wahrnehmungen unverkennbar bedingten „Verschwindens der Gegenwart“ (Prof. Christian Meier) einerseits nach Innehalten, Stille und „Langsamkeit“, andererseits nach „Heimat in der Vergangenheit“ gesucht. Die Formel „Zukunft braucht Herkunft“ (Prof. Odo Marquard) ist fast schon zu einem Gemeinplatz historisch-kultureller Reflexion geworden. Freimaurerei, die sich seit jeher nicht nur als horizontales Netzwerk der Gesellschaft, sondern auch als (symbolische) Brücke zwischen (weitester) Vergangenheit und Zukunft verstanden hat (Lessing: „Freimaurerei war immer“), findet so Entwicklungsbedingungen, die trotz der skizzierten Schwierigkeiten nicht generell als negativ einzuschätzen sind.

 

Entscheidend für seine Zukunft wird sein, ob es der Freimaurerbund versteht, sein vielfältiges kulturelles und soziales Kapital einzusetzen, bewährte Traditionen zu bewahren und zugleich für Innovationen aufgeschlossen zu sein. Dazu gehören Offenheit für und Neugier auf den Kontakt zu Menschen, das Angebot von und der Mut zu menschlicher Begegnung im Freundschaftsbund Loge. Dazu gehört eine Ritualpraxis, die den Reichtum alter Formen bewahrt, sich aber auch von überflüssigem und verunklarendem Zierat trennt und die „archaischen Ritualkerne“ der gültig bleibenden Thematisierung des Verhältnisses Mensch – Mitmensch, Mensch – Kosmos und Immanenz – Transzendenz im Mittelpunkt hält. Und dazu gehört schließlich auch, sich – ohne Überforderung eigener Möglichkeiten – an den wichtigen Diskursen der Gegenwart zu beteiligen. Viele davon haben Beziehungen zur freimaurerischen Tradition, mögen sie auf die Weiterentwicklung der Aufklärung im Sinne einer „reflexiven Aufklärung“ (Prof. Helmut Reinalter), auf die Ethos- bzw. Weltethosproblematik (Prof. Hans Küng), auf die Aneignung und Umsetzung von Werten („Einübungsethik“ ist eine alte freimaurerische Tugend) beziehen oder auf die Reflexionen über Lebenskunst. Denn Freimaurerei verstand sich ja immer auch – gerade im Sinne von Lebenskunst – als eine „Königliche Kunst“, und insbesondere in ihrer Qualität als Lebenskunst vertraut sie darauf, den Herausforderungen der Moderne standzuhalten und einen Beitrag zu ihrer Meisterung zu leisten.

 


 

[1] Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann ist Sozialwissenschaftler und Honorarprofessor der Universität zu Köln. Er ist Alt- und Ehrenstuhlmeister der Loge „Ver Sacrum“ und Vorsitzender (Meister) der Forschungsgesellschaft (Forschungsloge) „Quatuor Coronati“, der zentralen Forschungseinrichtung deutscher Freimaurer.

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