Freimaurerei – eine Leitkultur?

Blog Ver Sacrum

9. September 2019

Freimaurerei – eine Leitkultur?

Öffentlicher Vortrag, Montag, den 7. Oktober 2019, 19:30 Uhr, Logenhaus Köln
Referent Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann, Redner der Großloge AFuAM von Deutschland

Das Handeln der Menschen ist eingebettet in einen kulturellen Rahmen, der ihre Lebensziele bestimmt und ihr Alltagsverhalten strukturiert. Die Freimaurerei hat sich seit jeher als eine Leitkultur verstanden, die in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung steht.

Diese Leitkultur findet in einem vierfachen Selbstverständnis ihren Ausdruck, wobei sich die genannten Aspekte gleichrangig miteinander verbinden:

 

  1. Auf der Basis einer in der Loge eingeübten Kultur der Mitmenschlichkeit ist Freimaurerei Pflege von Freundschaft und Geselligkeit. Die Logen der Freimaurer sind Gemeinschaften, die „gute und redliche Männer, Männer von Ehre und Anstand, ohne Rücksicht auf ihr Bekenntnis oder darauf, welche Überzeugungen sie sonst vertreten mögen“ (Alte Pflichten) über alle weltanschaulich-religiösen, politischen, nationalen und sozialen Grenzen hinweg verbinden wollen. Die Logen und die Menschen in ihnen wollen sich miteinander und mit anderen Menschen und Menschengruppen vernetzen, denn nur durch eine solche Vernetzung von Mensch zu Mensch können in modernen komplexen Gesellschaften mit ihrer zunehmenden Tendenz zu diffuser Anonymität und Aggressivität – wir können ja wirklich ein Lied davon singen heutzutage – über-sichtliche und humane Lebenswelten geschaffen und erhalten werden. Die Geselligkeit der Logen ist ebenso traditionsreich wie komplex: freundschaftliches Miteinander, Empathie und Takt, soziales Handeln, gemeinsames Erleben und Praktizieren von Kultur, Diskurse, Lessings „nichts geht über das laut denken mit dem Freunde“: durch all das sollten schon die Bürger und Brüder der Aufklärungszeit Tugend und Bildung einüben und – als Vorbild für die gesamte Menschheit – zu besseren Menschen werden.
  2.  

  3. In der Tradition von Humanismus und Aufklärung sind die Logen der Freimaurer ethisch orientierte Assoziationen, in denen gemeinsam laut nachgedacht werden kann, um Wege zu Lebenssinn und Motivation zu moralischem Handeln ausfindig zu machen. Freimaurer stimmen darin überein, dass sie Werten verpflichtet sind, die sie – im Sinne eines Orientierungsrahmens – mit alten humanistisch-aufklärerischen Begrifflichkeiten wie Humanität, Brüderlichkeit, Toleranz, Freiheit, Gerechtigkeit und Friedensliebe umschreiben. Freimaurer bemühen sich darum, für diese Werte zeitgemäße Ausdrucksformen zu erarbeiten und auf dieser Grundlage an gesellschaftlichen Diskursen und moralischer Praxis auch außerhalb der Loge teilzunehmen.
  4. Die Logen der Freimaurer bieten einen auf Symbole und Rituale gegründeten spirituellen Wahrnehmungs-, Handlungs- und Erfahrungsraum, in dem die Ziele und Ideen des Freimaurerbundes im Bewusstsein und im Habitus der Brüder verankert werden. Das Ritual ist keineswegs die ganze Freimaurerei, doch es ist das, was Freimaurerei von anderen Bünden mit humanitärer Einstellung unterscheidbar macht. Das Ritual lehrt durch Symbole und rituelle Handlungen und rundet so die soziale und diskursethische Praxis der Loge durch eine die Gesamtperson des Bruders erfassende und verändernde spirituelle Dimension ab. Initiationen, performatives Sprechen und Handeln sowie mimetisches Lernen sind hierbei die wesentlichen Elemente. Von Ritual gilt, was der Maler und Bildhauer Hans Arp über sein Kunsterleben gesagt hat: „Ich wanderte durch viele Dinge, Geschöpfe, Welten und die Welt der Erscheinung begann zu gleiten … und sich zu verändern.“
     

  5. Durch die Zusammenfassung der drei vorgenannten Elemente in einem auf einander abgestimmten Gesamtkonzept wird Freimaurerei zu einer Lebenskunst der Praxis, die freundschaftliches Miteinander und ethisch-moralische Daseinsorientierung durch Symbole und Rituale in der Gemeinschaft der Loge sowohl rational erfassbar als auch emotional erlebbar macht.
    Freimaurerische Lebenskunst zielt darauf hin, Beziehungen herzustellen und Umgangsstile zu entwickeln:

    • Stile des Umgangs mit sich selbst wie Selbstrespekt, verbunden mit Selbsterkenntnis und Selbstkritik;
    •  Stile des Umgangs mit anderen Menschen wie Mitmenschlichkeit, tolerantes Verstehen ohne Unterwerfung und Symbiose;
    •  Stile des Umgangs mit den Dingen der Welt wie Verantwortung übernehmen für Gesellschaft und Umwelt;
    •  schließlich Stile des Umgangs mit Transzendenz, was im Grunde genommen meint, im Hinblick auf letzte Fragen Frieden zu finden.

 

Der Referent ist ein ausgewiesener deutscher Freimaurer und Freimaurerforscher und wird sich darum bemühen, das Konzept „Leitkultur Freimaurerei“ in Vortrag und Diskussion zu erörtern.

 

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